PAL oder Never The Same Color

1988
Film und Video-Installation mit 25 Monitoren
5:40 Minuten

Musik: Uwe Wiesemann, Gerhard Zillingen
Kamera: Stephan Simon
Schnitt: Martina Kaimeier
Schnittassistenz: Beate Petersen
Studiotechnik: Robby Gross
Ausstattung: Hari Hoffmann
Recherche: Kathi Hötger
Auftragsproduktion: Museum Ludwig Köln


"Aus dem Kampf um technische Innovation geht nicht immer, siehe auch die Durchsetzung der VHS-Videonorm, das bessere System als Sieger hervor. Maria Vedder untersucht hier den »Kampf« zweier Normen der Fernsehwiedergabe in einer farbintensiven und variationsreichen Videocollage. Es handelt sich um eine Auftragsproduktion für die Photokina-Bilderschau über die Kulturpreisträger der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, zu denen einst Walter Bruch, der Vater der europäischen PAL-Fernsehnorm, gehörte. PAL zeichnet sich durch eine bessere Farbstabilität gegenüber dem amerikanischen NTSC-System aus, das deshalb im TV-Jargon den Spitznamen »Never The Same Color« erhielt. Maria Vedders Videotape, das als Installation eine der frühen Videowallsysteme nutzte, spielt mit Ironie – eine deutsche Nachrichtensprecherin der 60er Jahre dient hier als unfreiwilliges Demonstrationsobjekt – wie auch optischer Opulenz die technischen Bedingungen der Wiedergabe von elektronischen Farben durch. Zwischen Rot, Grün und Blau liegen also Systemwelten, aber Maria Vedder ordnet diesen Farben auch symbolische Werte zu, die sie aus der mythischen Begriffswelt des indischen Buddhismus ableitet. Der in der Installation herausgelöste und seitlich plazierte Monitor läßt zudem den einzelnen Pixel als Baustein eines Videobilds plastisch werden."
Rudolf Frieling


Im Eingangsbereich des Kölner Museum Ludwig stehend, verband die Videoinstallation „PAL oder Never The Same Color“ den wissenschaftlichen Teil der ausgestellten photokina-Bilderschauen mit der Bildenden Kunst im Museum.

Das Farbfernsehsystem PAL, eine Erfindung des deutschen ElektrotechnikersWalter Bruch, wurde in explizit künstlerischer und somit nicht didaktischer oder wissenschaftlicher Weise in der Videoinstallation von Maria Vedder bearbeitet.

Die Grundstruktur des Videos bilden drei Tableaus zur additiven Farbmischung des Fernsehens, den Farben Rot, Grün, Blau. Diese Farben aus Licht statt aus Pigmenten unterscheiden sich von allen bisher in der Kunst verwendeten Farben. In der Malerei, der Photographie und der Drucktechnik entstehen alle Mischungen subtraktiv aus den Primärfarben Rot, Gelb und Blau.

Den elektronischen Primärfarben werden im Video ihre symbolischen Bedeutungen aus der westlichen Kulturwelt und aus der mythischen Begriffswelt des indischen Buddhismus zugeordnet. Die Grundfarbe erweitert sich in der östlichen Kultur um eine Grundform, ein Element und ein Tier.

So ist Rot das Symbol für Liebe im Westen. Im Osten finden wir die Grundform Dreieck, das Element Feuer und das Tier Pfau. Grün kann im Westen Natur bedeuten, im Osten Kreis, Wasser, Adler. Blau erinnert in unserem Kulturkreis an die Blaue Blume der Romantik, im Osten an Halbkreis, Luft und Elefant.

In den Zwischenspielen erläutert Fräulein Riehl, die bekannte deutsche Fernsehansagerin aus den sechziger Jahren, den für die Zuschauer wichtigen Unterschied zwischen den Farbfernsehsystemen PAL und NTSC (Never The Same Color), nämlich die Unempfindlichkeit von PAL bei Übertragungsstörungen. Während das amerikanische Farbfernsehsystem NTSC mit Farbverfälschungen reagiert, bleibt PAL farbstabil.